mehr als nur ein swipe, right - gedanken zum song

    ich glaube unsere generation ist ein bisschen kalt geworden, ich glaube uns're gefühle sind ein bisschen out geworden. zumindest ist vieles schneller austauschbar. alles dreht sich. viel schneller, als früher vielleicht. menschen kommen und gehen. manche bleiben. die einsamkeit wird gegen einen swipe nach rechts ersetzt. keiner muss mehr lang alleine bleiben. nach ein, zwei sätzen, einem treffen und einer neuen story geht's dann weiter. das klingt in diesen zeilen alles ziemlich dramatisch. ist es nicht so. ist eben so. ich glaube es war einfach noch nie so einfach und unkompliziert menschen zu treffen, aus welchen gründen auch immer. man muss noch nichtmal raus gehen. ein einfaches login und ein paar bewegungen mit dem daumen, ein paar schritte raus zur nächsten bar oder gleich bei dir mit ner flasche wein, vielleicht dann doch lieber bei mir? hm.


    selten war man sich in kurzer zeit so nah. selten waren gefühle so tabu, lieber jung frei wild als stehen bleiben. was grad ist, ist oft nicht gut genug. viel spannender, das was noch kommt. wir alle kennen dieses spiel. wir lieben oder hassen es. aber jeder, der dabei ist, ist ein teil davon. man muss noch nichtmal mitspielen. manchmal hat man nur ne gute zeit. manchmal sieht man sich danach nie wieder. manchmal wusste man es schon vorher.

    manche suchen nach dem kick. manche nach der grossen liebe.

    manche wollen mehr. manche nichts.

    manche sagen sie wollen nicht mehr und

    suchen doch nach der tieferen ebene.


    ...ich bin eine von euch.



    ich kann mich noch gut erinnern. mai 2018.

    ich glaube es war ziemlich genau heute vor einem jahr. ich war in berlin. habe damals noch nicht hier gewohnt. ich glaube das leben war damals, so unbeschwert wie lang nichtmehr, fast so wie heute, doch vielleicht noch etwas leichter. ich habe tinder als sinnlose freizeitbeschäftigung, oft, dass wenn ich reise fremde leute andre stadt. ich habe so viele freunde gefunden. und viele krasse menschen kennengelernt. oft nur ein glas rotwein. dann bin ich weiter. ich habe beobachtet, geliebt und bin dann wieder weiter. oft aus angst. ich habe nach jeden schönen begegnung die app wieder gelösch. nicht aus dem grund, mich festsetzen wollte. nur aus dem grund die person als ganzes wertzuschätzen.


    das ist mir nie schwer gefallen. ich glaube aber vielen aus unserer generation fällt es schwer, sich mit nur "einer" liebe zufrieden zu geben. mit einem herz. mit einem menschen. ich bin kein fan von zu viel auswahl am buffet, das sag ich offen und ehrlich. ich trag viel liebe in mir, doch ich glaub ich könnte sie nie mit zu vielen herzen teilen. ich glaube, das macht mich irgendwie zu einer treuen seele. sollte ich es schaffe mal zu bleiben. bleibe ich.


    zurück zu mai 2018. berlin. weinmeisterstrasse. so wie heute war damals fast schon ganz sommer. du und ich wir trafen uns. so ganz spontan. ich wollte an diesem tag eigentlich nichts mehr machen. und um ehrlich zu sein war mir nichtmal nach spazieren gehen oder drinks, wofür ich normalerweise immer zu haben bin. ich wollte nichts davon. ich wollte nichts. dann konnte ich mich dann doch überwinden. wir laufen ganze vier stunden durch berlin mitte. wenn ich heute zurück denke war es mehr als schön, also dieser nachmittag. fast schon wie im film, irgendwie, so nicht wie sonst immer. das fand ich schön. ich glaube, wir waren fasziniert von einander. wir wussten nicht so richtig was da gard passiert. wir haben viel gelacht, hatten die selben ansichten und irgendwie das selbe gefühl. aus diesem treffen wurden ein neues treffen am nächsten tag, und am tag darauf. jeden tag, den ich in berlin verbrachte verbrachte ich mit ihm. ich frage mich manchmal ob das zeitliche limit den glanz unserer zeit ausgemacht hat. ein paar wochen später war funkstille. am 7. juni hatte ich den schlüssel zu meiner wohnung in berlin. und meine erste große label anfrage. auf diese nachrichten hat er dann nichtmehr reagiert. nie mehr. ich glaube es war zu viel und zu real. und auch beängstigend, eine verbindung ohne deadline.

    kein „ich komm bald wieder nach berlin“ mehr ein „komm doch nach der arbeit vorbei“.


    am ende war es echt. man reduziert‘s auf einen swipe nach rechts. man reduzierts auf eine app. man vergisst den mensch dahinter. man macht sich selbst klein. man redet sich. dumm gewesen zu sein. mehr zu fühlen.

    man sucht nacht gründen. die gibts aber nicht.

    und oft vergisst man, dass die geschichte nach dem "swipe right" echt ist.

    zumindest in diesem fall.


    du hast den song gehört und mir auf instagram geschrieben. ein emoji. „😩“.

    das fand ich amüsant aber auch ok. heute hab ich keine angst mehr dir über den weg zu laufen. berlin ist groß genug für zwei menschen wie uns, die sich meistens in und nur selten auserhalb ihrer kreise bewegen.


    was auch passiert ist. ich hoffe du bist glücklich.

    ich hoffe deine freundin trägt birkenstock.


    liebe. revelle.

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